Messebericht IFA 2026: Jackery – mobile Energieversorgung mit Potenzial für Amateurfunk und Notfunk

Die IFA 2026 in Berlin hat vom 4. bis 8. September erneut gezeigt, dass Energieversorgung längst mehr ist als ein Nebenthema der Unterhaltungselektronik. Während an vielen Messeständen Smartphones, Haushaltsgeräte, KI-Anwendungen und Smart-Home-Lösungen im Mittelpunkt standen, rückte bei Jackery eine andere Frage in den Vordergrund: Wie lässt sich elektrische Energie auch dann zuverlässig bereitstellen, wenn das öffentliche Stromnetz nicht verfügbar ist?

Jackery präsentierte auf der IFA 2026 eine neue Generation mobiler und stationärer Energiespeicher. Im Mittelpunkt standen dabei die neuen Modelle Explorer 1000 Plus v2, Explorer 2000 Plus v2 und Explorer 3600 Plus sowie Lösungen für die stationäre Speicherung und die Absicherung einzelner Verbraucher. Jackery positioniert sich damit zunehmend nicht mehr ausschließlich als Anbieter von Powerstations für Camping und Outdoor-Aktivitäten, sondern als Anbieter eines umfassenderen Energie-Ökosystems.

Für Funkamateure ist diese Entwicklung besonders interessant. Denn eine leistungsfähige und möglichst autarke Stromversorgung ist eine der Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Funkbetrieb bei einem länger andauernden Stromausfall. Gerade im Not- und Katastrophenfunk können portable Akkuspeicher in Verbindung mit Solarmodulen eine wichtige Rolle spielen.

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Jackery auf der IFA 2026

Jackery war auf der IFA 2026 in Halle 2.2, Stand 114 vertreten. Die Messepräsentation stand unter dem Eindruck der Weiterentwicklung vom klassischen Outdoor-Power-Anbieter hin zu einem Anbieter für mobile und stationäre Energieversorgung.

Besonders interessant war die neue Explorer-Plus-v2-Familie. Sie umfasst drei Leistungsklassen:

  • Explorer 1000 Plus v2
  • Explorer 2000 Plus v2
  • Explorer 3600 Plus

Die Geräte können mit zusätzlichen Battery Packs erweitert werden. Beim Explorer 3600 Plus soll sich die Speicherkapazität auf bis zu 21,5 kWh erweitern lassen. Damit wird aus einer klassischen tragbaren Powerstation ein modularer Energiespeicher, der auch für längere Stromausfälle interessant werden kann.

Der Explorer 1000 Plus v2 stellt laut Jackery bis zu 1.800 Watt Dauerleistung zur Verfügung. Die Geräte verfügen unter anderem über 230-Volt-Ausgänge, USB-Anschlüsse und weitere Gleichstromausgänge. Damit können sowohl klassische Haushaltsgeräte als auch Computer, Kommunikationsgeräte und kleinere technische Anlagen versorgt werden.

Eine wesentliche Eigenschaft bleibt dabei die Möglichkeit, die Powerstations über Solarmodule nachzuladen. Genau diese Kombination aus Speicher + Solarenergie + mobiler Nutzung macht die Geräte auch für den Amateurfunk interessant.


Interessant für Funkamateure

Auf den ersten Blick haben Powerstations und Amateurfunk nur wenig miteinander zu tun. Bei näherer Betrachtung besteht jedoch eine sehr direkte Verbindung.

Eine Funkstation benötigt elektrische Energie für:

  • Funkgerät beziehungsweise Transceiver
  • Netzteil beziehungsweise DC-Versorgung
  • Antennenrotor
  • Computer oder Tablet
  • TNC, Modem oder digitale Interfaces
  • Router und Netzwerkkomponenten
  • Beleuchtung
  • Ladegeräte für Handfunkgeräte
  • gegebenenfalls Mess- und Prüfgeräte

Im normalen Stationsbetrieb kommt die Energie aus dem Stromnetz. Bei einem längeren Stromausfall sieht die Situation anders aus.

Genau hier beginnt die interessante Schnittstelle zwischen mobiler Speichertechnik und Amateurfunk.

Ein Funkamateur kann beispielsweise eine Powerstation mit einem Solarpanel kombinieren und damit eine weitgehend netzunabhängige Funkstation aufbauen. Für einen Fieldday oder einen temporären Funkstandort ist das bereits heute ein praktischer Anwendungsfall.

Noch interessanter wird die Technik bei einer Krisensituation.


Amateurfunk als Kommunikationsreserve

Der Amateurfunk verfügt über einen entscheidenden Vorteil: Er ist nicht zwingend auf die Infrastruktur kommerzieller Mobilfunk- oder Internetanbieter angewiesen.

Bei einem großflächigen Stromausfall können beispielsweise Mobilfunknetze, Internetzugänge, Festnetzanschlüsse und lokale Kommunikationssysteme beeinträchtigt werden. Funkamateure können dagegen mit eigenen Funkgeräten, Antennen und einer unabhängigen Stromversorgung weiterhin kommunizieren.

Besonders der Kurzwellenfunk bietet dabei die Möglichkeit, auch über große Entfernungen Verbindungen herzustellen. Für lokale und regionale Kommunikation kommen unter anderem UKW-Funk, Relaisfunk sowie digitale Betriebsarten infrage.

Der entscheidende Punkt ist jedoch: Ein Funkgerät alleine macht noch keine Notfunkstation. Es benötigt Energie, Antenne, geeignete Infrastruktur und einen ausgebildeten Bediener. Damit wird die Energieversorgung zu einem wesentlichen Bestandteil der Krisenvorsorge.


Not- und Katastrophenfunk

Der sogenannte Notfunk beziehungsweise Katastrophenfunk beschreibt den Einsatz des Amateurfunks zur Kommunikation in Not- und Katastrophensituationen. Funkamateure können dabei beispielsweise Informationen weiterleiten oder bei Ausfall regulärer Kommunikationswege unterstützend tätig werden.

Aus technischer Sicht sind dabei mehrere Faktoren entscheidend:

  1. Unabhängigkeit vom Stromnetz
  2. Unabhängigkeit von kommerziellen Kommunikationsnetzen
  3. robuste und möglichst einfache Funktechnik
  4. geeignete Antennen
  5. ausreichende Energieversorgung
  6. geschulte Funkamateure
  7. definierte Kommunikationsabläufe

Gerade der erste Punkt macht die auf der IFA gezeigten Jackery-Systeme interessant.


Jackery als Energiequelle für eine Notfunkstation

Eine Powerstation kann im Notfunkbetrieb verschiedene Aufgaben übernehmen.

Ein einfaches Szenario wäre beispielsweise eine portable UKW-Station mit einem 50-Watt-Transceiver. Die Powerstation versorgt dabei das Funkgerät und gegebenenfalls zusätzlich Notebook, Beleuchtung und Ladegeräte.

Noch interessanter wird das Konzept bei einer Kurzwellenstation.

Ein Kurzwellentransceiver mit einer Ausgangsleistung von beispielsweise 50 bis 100 Watt benötigt während des Sendens deutlich mehr elektrische Energie als während des Empfangs. Bei einem typischen Funkbetrieb mit relativ kurzen Sendezeiten kann eine ausreichend dimensionierte Powerstation trotzdem viele Stunden Betriebsbereitschaft ermöglichen.

Wird zusätzlich ein Solarmodul eingesetzt, kann die verfügbare Betriebsdauer weiter verlängert werden.

Das Prinzip lautet daher:

Solarpanel → Powerstation → Funkstation → Antenne

Damit entsteht ein kleines, vom öffentlichen Stromnetz unabhängiges Kommunikationssystem.


Besonders interessant: LiFePO4 und modulare Systeme

Für den Einsatz im Amateurfunk sind nicht nur die nominellen Wattstunden interessant. Ebenso wichtig sind Lebensdauer, Sicherheit, Gewicht, Ladeverhalten und Erweiterbarkeit.

Jackery setzt bei den neuen Powerstations auf langlebige LiFePO4-Akkutechnik. Die modulare Auslegung ermöglicht außerdem, die Speicherkapazität entsprechend dem tatsächlichen Bedarf zu vergrößern.

Für einen Funkamateur bedeutet das einen interessanten Unterschied zu einer klassischen Autobatterie.

Eine einzelne Batterie kann zwar ebenfalls einen Transceiver versorgen, benötigt aber ein geeignetes Ladegerät und gegebenenfalls zusätzliche Infrastruktur. Eine Powerstation integriert dagegen bereits Wechselrichter, Ladeelektronik, verschiedene Ausgänge und Schutzfunktionen.

Dadurch wird das Gesamtsystem einfacher transportierbar und schneller einsatzbereit.


Der FridgeGuard – ein interessanter Nebenaspekt

Ein weiteres auf der IFA vorgestelltes Produkt ist der Jackery FridgeGuard.

Dabei handelt es sich um ein Backup-System mit integrierter unterbrechungsfreier Stromversorgung. Jackery gibt eine Umschaltzeit von weniger als zehn Millisekunden an. Der Speicher besitzt eine Kapazität von 1.024 Wh und soll einen typischen Kühlschrank je nach Verbrauch bis zu 15 Stunden versorgen können.

Auch wenn der FridgeGuard zunächst nicht für den Amateurfunk entwickelt wurde, ist das dahinterstehende Prinzip für eine Krisenvorsorge interessant:

Nicht unbedingt das gesamte Haus muss mit Notstrom versorgt werden. Viel wichtiger kann es sein, kritische Verbraucher gezielt abzusichern.

Für eine private Notfunkstation könnte dieses Prinzip beispielsweise auf Funkgerät, Router, Netzwerktechnik oder andere Kommunikationskomponenten übertragen werden.


Was könnte ein Amateurfunker mit einer solchen Powerstation realisieren?

Ein mögliches Notfunk-Setup könnte folgendermaßen aussehen:

Variante 1 – einfache UKW-Notfunkstation

  • Powerstation
  • 12-V-Funkgerät
  • UKW-Antenne
  • Koaxialkabel
  • Handfunkgerät als Reserve
  • Ladegeräte

Eine solche Station könnte bei einem Stromausfall über einen längeren Zeitraum betrieben werden.

Variante 2 – portable Kurzwellenstation

  • Powerstation
  • Kurzwellentransceiver
  • portable Drahtantenne
  • Antennentuner
  • Notebook
  • digitales Funkinterface
  • Solarpanel

Damit wäre auch eine Kommunikation über größere Entfernungen möglich.

Variante 3 – autarke Krisenfunkstelle

Noch interessanter wäre eine komplette portable Funkstelle:

Solarpanel → Powerstation → Funktechnik → Antenne

Ergänzt um:

  • UKW- und Kurzwellenfunk
  • mehrere Antennen
  • Notebook oder Tablet
  • GPS
  • Beleuchtung
  • Ladegeräte
  • Ersatzakkus
  • Kopfhörer
  • Notfunk-Unterlagen

Eine solche Station könnte unabhängig vom Stromnetz an einem geeigneten Standort aufgebaut werden.


Solarenergie als Schlüssel zur langfristigen Autarkie

Der große Vorteil einer Powerstation ist die gespeicherte Energie. Für einen mehrtägigen oder länger andauernden Stromausfall ist aber die Nachlademöglichkeit entscheidend.

Hier kommt Solarenergie ins Spiel.

Während ein Akku allein nur eine begrenzte Energiereserve darstellt, kann eine Kombination aus Akku und Photovoltaik zu einem Energie-Kreislauf werden.

Tagsüber lädt das Solarpanel den Speicher auf. Gleichzeitig kann die Funkstation betrieben werden. In den Abend- und Nachtstunden wird die gespeicherte Energie verwendet.

Das ist insbesondere für Notfunk interessant, da eine Funkstation nicht permanent mit voller Leistung senden muss. Ein großer Teil der Zeit wird auf Empfang gewartet.

Dadurch kann die Energie sehr effizient eingesetzt werden.


Energieplanung ist wichtiger als maximale Leistung

Für Funkamateure sollte allerdings nicht nur die maximale Leistung einer Powerstation betrachtet werden.

Entscheidend ist vielmehr die Frage:

Wie viele Wattstunden benötigt die konkrete Funkstation pro Tag?

Beispiel:

Ein Funkgerät benötigt im Empfang 10 Watt und während des Sendens 100 Watt.

Bei einem angenommenen Tagesbetrieb von:

  • 20 Stunden Empfang
  • 4 Stunden Sendezeit

ergibt sich theoretisch:

20 × 10 Wh = 200 Wh

plus

4 × 100 Wh = 400 Wh

also insgesamt rund 600 Wh.

In der Praxis kommen Verluste und weitere Verbraucher hinzu. Dennoch zeigt das Beispiel, dass eine Powerstation im Bereich von 1 kWh bereits eine interessante Größenordnung für einen solchen Funkbetrieb darstellt.

Bei geringer Sendezeit kann die tatsächliche Laufzeit erheblich länger sein.


Notfunk braucht mehr als Technik

Bei aller Begeisterung für moderne Energiespeicher darf allerdings ein Punkt nicht übersehen werden:

Notfunk ist keine reine Technikfrage.

Eine Powerstation kann den Stromausfall überbrücken. Sie ersetzt jedoch weder Funkkenntnisse noch eine funktionierende Antenne oder eine organisierte Notfunkstruktur.

Im Ernstfall müssen Funkamateure wissen:

  • auf welchen Frequenzen gearbeitet wird,
  • welche Betriebsarten eingesetzt werden,
  • wie Nachrichten strukturiert werden,
  • wie Funknetze aufgebaut werden,
  • welche Stationen welche Aufgaben übernehmen,
  • wie Informationen zuverlässig dokumentiert werden,
  • und wann eine Information an zuständige Stellen weitergegeben werden muss.

Die Energieversorgung ist somit lediglich ein Baustein eines funktionierenden Notfunkkonzepts.


Jackery und die Renaissance der „stromunabhängigen“ Technik

Interessant ist, dass Jackery mit seinen Produkten einen Trend aufgreift, der weit über Camping hinausgeht.

Die zunehmende Verbreitung von Powerstations zeigt, dass Verbraucher sich Gedanken über ihre persönliche Energieversorgung machen.

Stromausfälle, Extremwetterereignisse, technische Störungen oder andere Krisensituationen machen deutlich, wie abhängig moderne Kommunikation von funktionierender Energie- und Netzinfrastruktur ist.

Für Funkamateure ist diese Erkenntnis keineswegs neu.

Der Amateurfunk beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Möglichkeit, Kommunikation auch dann aufrechtzuerhalten, wenn normale Kommunikationswege ausfallen.

Neu ist vielmehr die heute verfügbare Speichertechnik.

Eine moderne Powerstation mit Solarpanel kann eine Aufgabe übernehmen, für die früher häufig mehrere Komponenten notwendig waren:

  • Batterie
  • Ladegerät
  • Wechselrichter
  • Sicherungen
  • Messinstrumente
  • verschiedene Anschlusskabel

Die Integration dieser Funktionen macht portable Notstromsysteme wesentlich einfacher.


Kritische Betrachtung

Für den professionellen Not- und Katastrophenfunk muss man die Jackery-Systeme dennoch differenziert betrachten.

Eine Powerstation ist kein automatisch ausfallsicheres Kommunikationssystem.

Zu berücksichtigen sind unter anderem:

  • Kapazitätsverlust bei niedrigen Temperaturen
  • Alterung des Akkus
  • begrenzte Solarleistung bei schlechtem Wetter
  • Gewicht großer Batteriesysteme
  • mögliche Fehler von Wechselrichtern oder Elektronik
  • Abhängigkeit von geeigneten Kabeln und Steckverbindungen
  • elektromagnetische Störungen, die von Schaltnetzteilen oder Wechselrichtern ausgehen können

Gerade der letzte Punkt ist für Funkamateure wichtig.

Powerstations enthalten Leistungselektronik. Je nach Betriebsart können Schaltnetzteile und Wechselrichter hochfrequente Störungen erzeugen. Vor einem geplanten Einsatz im Notfunk sollte deshalb geprüft werden, wie sich die konkrete Powerstation auf die verwendeten Amateurfunkbänder auswirkt.

Für eine kritische Funkstelle ist außerdem eine direkte DC-Versorgung des Funkgerätes häufig sinnvoller als der Weg über 230 Volt und anschließend wieder über ein Netzteil zurück auf 12 bis 13,8 Volt.

Damit lassen sich unnötige Wandlungsverluste vermeiden.


Fazit

Die IFA 2026 zeigt bei Jackery eine deutliche Entwicklung: Aus der klassischen mobilen Powerstation wird zunehmend ein modulares Energiesystem für Outdoor, Haushalt, Backup und Notstrom.

Besonders die neue Explorer-Plus-v2-Familie mit erweiterbaren Speichern bis hin zu 21,5 kWh beim Explorer 3600 Plus eröffnet Anwendungsmöglichkeiten, die deutlich über Camping hinausgehen.

Für den Amateurfunk ist vor allem die Kombination aus Powerstation, Solarpanel und Funkgerät interessant.

Sie ermöglicht es, eine Funkstation unabhängig vom öffentlichen Stromnetz zu betreiben. Damit können solche Systeme zu einem Baustein für die persönliche Krisenvorsorge und – bei entsprechender Ausbildung und Organisation – auch für den Not- und Katastrophenfunk werden.

Die wichtigste Erkenntnis von der IFA 2026 lautet daher aus Sicht des Funkamateurs nicht unbedingt „mehr Watt“, sondern:

Kommunikation braucht Energie – und unabhängige Energieversorgung macht Kommunikation krisenfester.

Jackery liefert hierfür interessante technische Bausteine. Die eigentliche Leistungsfähigkeit eines Notfunksystems entsteht jedoch erst aus dem Zusammenspiel von geschulten Funkamateuren, geeigneten Antennen, zuverlässiger Funktechnik, organisatorischen Strukturen und einer unabhängigen Energieversorgung.

Gerade diese Verbindung von moderner Speichertechnik und einer seit Jahrzehnten bewährten, unabhängigen Kommunikationstechnik macht die Entwicklung für die Amateurfunkgemeinschaft besonders interessant.


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