Mit der aktuellen VoIP-Plattform setzt die Deutsche Telekom auf DNS-SRV-Records zur Ermittlung der zuständigen SIP-Server. Diese Änderung sorgt für eine höhere Verfügbarkeit und Lastverteilung der Telekom-Infrastruktur, bedeutet aber auch, dass ältere FreePBX-Konfigurationen angepasst werden sollten.
Viele Trunks, die über Jahre problemlos funktioniert haben, verwenden noch feste Ports oder IP-Adressen. Seit der Umstellung kann dies dazu führen, dass Registrierungen fehlschlagen oder Gespräche nicht mehr zuverlässig aufgebaut werden.
Dieser Artikel zeigt, wie ein Telekom SIP-Trunk unter FreePBX 17 (PJSIP) korrekt eingerichtet wird.
Warum DNS-SRV?
Ein DNS-SRV-Eintrag liefert mehr Informationen als eine normale DNS-Auflösung.
Neben der Zieladresse werden zusätzlich übermittelt:
- der zuständige SIP-Server
- der zu verwendende Port
- Prioritäten
- Gewichtungen für die Lastverteilung
Dadurch kann die Telekom den SIP-Verkehr automatisch auf verschiedene Session Border Controller (SBCs) verteilen und Server im laufenden Betrieb austauschen, ohne dass Kunden ihre Konfiguration ändern müssen.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der SIP-Client die SRV-Einträge auch verwendet.
FreePBX 17 unterstützt DNS-SRV bereits
Die gute Nachricht lautet:
FreePBX 17 mit PJSIP unterstützt DNS-SRV bereits vollständig.
Es müssen lediglich einige Konfigurationsfehler vermieden werden.
Trunk richtig konfigurieren
Öffnen Sie
Connectivity → Trunks
und erstellen Sie einen neuen
Add Trunk → Add SIP (chan_pjsip) Trunk
General
Vergeben Sie einen beliebigen Namen, beispielsweise
Telekom
SIP Server
Hier wird ausschließlich eingetragen
tel.t-online.de
Wichtig:
Nicht
tel.t-online.de:5060
und auch nicht
tel.t-online.de:5061
Sobald ein Port angegeben wird, erfolgt bei vielen SIP-Stacks keine SRV-Auflösung mehr.
Die Auswahl des richtigen Servers übernimmt dann nicht mehr DNS, wodurch die Vorteile der Telekom-Infrastruktur verloren gehen.
SIP Server Port
Dieses Feld bleibt leer.
FreePBX beziehungsweise PJSIP verwendet automatisch den Port aus dem DNS-SRV-Eintrag.
Username
Hier wird der SIP-Benutzername der Telekom eingetragen.
Secret
Das SIP-Passwort aus dem Telekom Kundencenter.
Authentication
Outbound
Registration
Send
Transport
In den meisten Anschlüssen genügt
0.0.0.0-udp
Soll TLS verwendet werden, muss zuvor ein entsprechender Transport eingerichtet werden.
Advanced Einstellungen
Unter den erweiterten Einstellungen sollten folgende Optionen geprüft werden.
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Rewrite Contact | Yes |
| Force rport | Yes |
| RTP Symmetric | Yes |
| Direct Media | No |
| Trust RPID | Yes |
| Send RPID | Yes |
Diese Einstellungen entsprechen weitgehend den aktuellen Empfehlungen für Telekom SIP-Anschlüsse.
DNS Manager aktivieren
Da sich die Zielserver der Telekom jederzeit ändern können, sollte der DNS-Manager von Asterisk aktiviert sein.
Datei:
/etc/asterisk/asterisk.conf
Eintrag:
[options]
dnsmgr=yes
Nach einer Änderung empfiehlt sich ein Neustart von Asterisk.
Funktion prüfen
Auf der Linux-Konsole:
asterisk -rvvvvv
Anschließend:
pjsip show registrations
Die Ausgabe sollte etwa so aussehen:
<Registration/ServerURI.............................> <Auth..........> <Status>
Telekom/sip:tel.t-online.de Telekom-auth Registered
DNS-SRV überprüfen
Ob die Telekom SRV-Einträge bereitstellt, lässt sich einfach testen.
dig SRV _sip._udp.tel.t-online.de
oder
host -t SRV _sip._udp.tel.t-online.de
Eine typische Ausgabe zeigt mehrere SIP-Server mit unterschiedlichen Prioritäten und Gewichtungen.
Dadurch kann die Telekom den Verkehr dynamisch verteilen.
Häufige Fehler
Port 5060 eingetragen
Der häufigste Fehler.
Falsch
tel.t-online.de:5060
Richtig
tel.t-online.de
Feste IP-Adresse eingetragen
Einige ältere Installationen verwenden direkt eine IP-Adresse.
Dies sollte nicht mehr gemacht werden.
Die Telekom kann ihre SBCs jederzeit ändern.
chan_sip verwenden
chan_sip wird seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt.
Neue Telekom-Anschlüsse sollten ausschließlich mit PJSIP betrieben werden.
Firewall blockiert Antworten
Falls der Trunk dauerhaft auf
Request Sent
oder
Rejected
steht, sollte geprüft werden:
- UDP-Port 5060 freigegeben
- RTP-Portbereich freigegeben (Standard: 10000–20000)
- NAT-Einstellungen korrekt
- Öffentliche IP-Adresse korrekt erkannt
- SIP ALG im Router deaktiviert
Gerade SIP ALG verursacht bei Telekom-Anschlüssen häufig Registrierungs- und Audio-Probleme.
Bekannte Probleme nach der Telekom-Umstellung
Trunk bleibt auf „Request Sent“
Mögliche Ursachen:
- DNS-SRV wird durch einen festen Port umgangen.
- Firewall blockiert SIP-Antworten.
- SIP ALG verändert SIP-Pakete.
- DNS-Auflösung funktioniert nicht korrekt.
Registrierung wechselt ständig zwischen „Registered“ und „Rejected“
Dies deutet häufig auf eine falsche Authentifizierung oder auf einen Serverwechsel hin, den eine veraltete Konfiguration nicht korrekt verarbeitet.
Gespräche funktionieren nur zeitweise
Hier lohnt sich ein Blick auf:
- RTP-Einstellungen
- NAT-Konfiguration
- DNS-Auflösung
- verwendeten Transport (UDP oder TLS)
Empfehlung
Für neue Installationen empfiehlt sich grundsätzlich:
- FreePBX 17
- aktuelles Asterisk (21 oder neuer)
- ausschließlich PJSIP
- Registrar tel.t-online.de
- keinen Port eintragen
- DNS-Manager aktivieren
- SIP ALG im Router deaktivieren
Mit dieser Konfiguration nutzt FreePBX automatisch die von der Telekom bereitgestellten DNS-SRV-Einträge. Änderungen an der Telekom-Infrastruktur werden dadurch transparent übernommen, wodurch die Anlage deutlich robuster gegenüber Serverwechseln und Wartungsarbeiten wird.
Fazit
Die Umstellung der Telekom auf DNS-SRV ist ein sinnvoller Schritt hin zu einer modernen und hochverfügbaren SIP-Infrastruktur. Für FreePBX-Nutzer bedeutet dies vor allem, sich von alten Konfigurationsgewohnheiten – wie festen Ports oder IP-Adressen – zu verabschieden. Wer einen aktuellen PJSIP-Trunk sauber konfiguriert, profitiert von einer stabileren Registrierung, automatischer Lastverteilung und einer zukunftssicheren Anbindung an das Telekom-Netz.


