Während der S0-Bus die standardisierte ISDN-Schnittstelle für digitale Endgeräte darstellte, entwickelten viele Hersteller bereits früh eigene digitale Anschlusstechniken für ihre Systemtelefone. Eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Lösungen war der Up0-Port, häufig auch als UP0, UP0/E oder UPN-Schnittstelle bezeichnet. Besonders in professionellen Telefonanlagen von Siemens Hicom, HiPath und später Unify spielte diese Technik über viele Jahre eine zentrale Rolle.
Der Up0-Port wurde entwickelt, um hochwertige digitale Systemtelefone über eine einfache Zweidrahtleitung anzuschließen und gleichzeitig sämtliche Funktionen moderner Unternehmenskommunikation bereitzustellen. Im Gegensatz zu analogen Anschlüssen oder dem standardisierten S0-Bus handelte es sich hierbei um eine herstellerspezifische digitale Schnittstelle, die speziell für die Kommunikation zwischen Telefonanlage und Systemtelefon entwickelt wurde.
Warum wurde der Up0-Port entwickelt?
Mit dem Erfolg digitaler Telefonanlagen stiegen auch die Anforderungen an moderne Endgeräte. Neben der Sprachübertragung sollten Zusatzfunktionen wie Displayinformationen, programmierbare Funktionstasten, Besetztlampenfelder, Lautsprecherbetrieb, Headsets, Ruflisten und Konfigurationsdaten übertragen werden.
Ein analoger Anschluss konnte diese Informationen nicht bereitstellen und ein S0-Bus wäre für jedes einzelne Telefon vergleichsweise aufwendig gewesen.
Die Lösung war eine digitale Zweidrahtschnittstelle, die sowohl die Stromversorgung als auch sämtliche Sprach- und Steuerdaten über nur ein Adernpaar überträgt.
Dadurch konnten vorhandene Telefonleitungen problemlos weiter genutzt werden, ohne neue vier- oder achtadrige Leitungen verlegen zu müssen.
Aufbau des Up0-Ports
Der Up0-Port arbeitet ausschließlich mit zwei Leitungen. Über dieses Adernpaar werden gleichzeitig die Betriebsspannung des Telefons, die digitale Sprachübertragung sowie sämtliche Steuerinformationen übertragen.
Aus Sicht der Installation ähnelt der Anschluss daher zunächst einer klassischen analogen Telefonleitung. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine vollständig digitale Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Telefonanlage und Systemtelefon.
Jeder Up0-Port ist immer genau einem Endgerät zugeordnet. Im Gegensatz zum S0-Bus handelt es sich also nicht um ein Bussystem, sondern um eine dedizierte Verbindung zwischen Teilnehmer und Telefonanlage.
Spannungsversorgung
Eine Besonderheit des Up0-Ports besteht darin, dass das angeschlossene Systemtelefon seine komplette Energie direkt über die Leitung erhält.
Separate Netzteile sind in den meisten Fällen nicht erforderlich.
Je nach Hersteller und Anlagentyp liegt die Versorgungsspannung typischerweise zwischen 35 und 45 Volt Gleichspannung.
Die Telefonanlage erkennt automatisch, wenn ein kompatibles Systemtelefon angeschlossen wird und initialisiert anschließend die Kommunikation.
Digitale Sprachübertragung
Im Gegensatz zur analogen Telefonie wird die Sprache beim Up0-Port vollständig digital übertragen.
Bereits im Telefon erfolgt die Digitalisierung des Sprachsignals. Dieses wird anschließend zusammen mit sämtlichen Steuerinformationen seriell über die Zweidrahtleitung zur Telefonanlage übertragen.
Neben der Sprache werden unter anderem folgende Informationen übertragen:
- Displaytexte
- Funktionstasten
- LED-Zustände
- Rufnummernanzeige
- Lautsprechersteuerung
- Freisprechen
- Headsetfunktionen
- Firmwareinformationen
- Konfigurationsdaten
- Besetztlampenfelder
- Uhrzeit und Datum
Dadurch war es möglich, bereits in den 1990er Jahren äußerst komfortable digitale Arbeitsplätze einzurichten.
Anschluss der Systemtelefone
Viele Siemens-Systemtelefone besitzen zwar eine RJ45-Buchse, diese entspricht jedoch nicht der Belegung eines Ethernet-Netzwerks.
Die beiden aktiven Leitungen befinden sich meist auf den mittleren Kontakten der Buchse.
Aus diesem Grund dürfen Up0-Anschlüsse niemals direkt mit Netzwerkkomponenten wie Switches oder Routern verbunden werden.
Ebenso wenig dürfen Ethernet-Geräte an einen Up0-Port angeschlossen werden.
Obwohl die Steckverbinder identisch aussehen, unterscheiden sich sowohl die elektrische Beschaltung als auch das Übertragungsverfahren vollständig.
Verkabelung
Ein großer Vorteil bestand darin, dass nahezu jede vorhandene Telefonleitung genutzt werden konnte.
Selbst ältere Installationen mit einem einzigen verdrillten Adernpaar eigneten sich problemlos.
Auch längere Leitungswege stellten in der Regel kein Problem dar.
Je nach Telefonanlage waren Leitungslängen von mehreren hundert Metern möglich.
Dadurch eignete sich der Up0-Port hervorragend für Bürogebäude mit vielen Arbeitsplätzen.
Messungen am Up0-Port
Auch bei dieser Schnittstelle konnten bereits mit einem einfachen Digitalmultimeter erste Prüfungen durchgeführt werden.
Zwischen den beiden Leitungen ließ sich im Leerlauf eine Gleichspannung messen.
Je nach Hersteller lag diese typischerweise zwischen 35 und 45 Volt.
War keine Spannung vorhanden, deutete dies häufig auf einen deaktivierten Port, eine defekte Baugruppe oder einen Leitungsfehler hin.
Nach dem Anschluss eines kompatiblen Telefons veränderte sich der Spannungswert häufig geringfügig, da das Endgerät nun über die Leitung versorgt wurde.
Für Servicetechniker stellte diese einfache Spannungsmessung oftmals den ersten Schritt der Fehlersuche dar.
Mit einem Multimeter konnte jedoch lediglich überprüft werden, ob die Stromversorgung vorhanden war.
Die eigentliche digitale Kommunikation ließ sich damit selbstverständlich nicht analysieren.
Hierfür kamen spezielle Serviceterminals oder Diagnosesoftware der jeweiligen Telefonanlage zum Einsatz.
Typische Fehlerquellen
Zu den häufigsten Problemen gehörten:
- Leitungsunterbrechungen
- vertauschte Adern
- beschädigte Anschlussdosen
- defekte Systemtelefone
- fehlerhafte Baugruppen
- oxidierte Klemmstellen
- beschädigte Patchkabel
Da jede Leitung ausschließlich einem Telefon zugeordnet war, ließ sich der Fehler meist relativ schnell eingrenzen.
Vorteile gegenüber analogen Anschlüssen
Der Up0-Port bot zahlreiche Vorteile.
Die komplette Kommunikation erfolgte digital.
Dadurch standen Funktionen zur Verfügung, die mit analogen Telefonen nicht realisierbar gewesen wären.
Dazu gehörten beispielsweise:
- frei programmierbare Funktionstasten
- Displayanzeigen
- Namensübertragung
- interne Telefonbücher
- Besetztlampenfelder
- Wahlwiederholung
- Konferenzfunktionen
- Makeln
- Rufumleitung
- Headsetbetrieb
- Lautsprecherbetrieb
- Firmwareupdates
Für den Benutzer entstand dadurch ein deutlich höherer Bedienkomfort.
Unterschiede zum S0-Bus
Obwohl beide Systeme digital arbeiteten, unterschieden sie sich erheblich.
Der S0-Bus ist ein standardisiertes ISDN-Bussystem, an dem mehrere Geräte betrieben werden können.
Der Up0-Port dagegen stellt eine exklusive Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Telefonanlage und genau einem Systemtelefon dar.
Während am S0-Bus auch Geräte unterschiedlicher Hersteller betrieben werden konnten, funktionierte ein Up0-Systemtelefon ausschließlich an kompatiblen Telefonanlagen desselben Herstellers.
Gerade diese enge Integration machte jedoch den großen Funktionsumfang möglich.
Warum verschwand der Up0-Port?
Mit dem Siegeszug von Ethernet-Netzwerken und Voice over IP änderte sich die gesamte Architektur moderner Kommunikationssysteme.
Heute werden Systemtelefone meist direkt per Ethernet an das Unternehmensnetzwerk angeschlossen.
Über SIP oder herstellerspezifische IP-Protokolle kommunizieren sie anschließend mit der Telefonanlage.
Die Stromversorgung erfolgt dabei häufig über Power over Ethernet (PoE).
Dadurch genügt heute ein einziges Netzwerkkabel für Daten, Sprache und Energieversorgung.
Viele Komfortfunktionen des früheren Up0-Ports wurden dabei nahezu unverändert übernommen.


